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LICHT + FARBE

In meiner Kunstproduktion verbinde ich auf ungewöhnliche Weise zwei unterschiedliche Medien miteinander: Die Schwarzweiß-Photographie und die monochrome Malerei. Die Photographie ist der Ausgangspunkt meiner Bildinstallationen. Diese wird im weiteren Prozeß mit eigenständigen Farbwerten kombiniert. Dabei entspringt der konkrete Farbton einerseits dem photographischen Motiv und andererseits den Grauwerten der Photographie. In Anlehnung an diese Parameter leite ich die Farbe jedoch intuitiv ab. In der Photographie interessiert mich weniger das abgebildete Motiv. Ich verfolge vielmehr das Spiel des Lichtes und der Schwarzweiß-Modulation. Licht und Schatten, Hell und Dunkel bestimmen das Bild. Die Motive lösen sich häufig in Unschärfe, Verwacklung, Über- oder Unterbelichtung auf.

 

Meine Arbeiten lassen sich in verschiedene Werkkomplexe einteilen: In den neunziger Jahren habe ich mich hauptsächlich der Vervollständigung meiner >Enzoklopädie< zugewandt. Diese Werkgruppe ist als ein modulares System aus gleichformatigen DIN A4 Tafeln angelegt. Sie erweist sich in Ausstellungen als ein ausgesprochen variables System. Dort werden die Bilder thematisch zu einem Bilderzyklus – beispielsweise einer Metamorphose – zusammengestellt. Ich beschreibe in meinen Arbeiten „die Gleichzeitigkeit und den Wandel aller Dinge“.

Mit den in den letzten Jahren entstandenen Werkgruppen >Hochformate< und >Asymmetrische Bilder<. - beispielsweise mit Abbildungen des Hudson Rivers oder eines Sumpfgebietes in Berlin Buch - schließe ich formal wieder an meine großformatigen Gemälde der achtziger Jahre an. Auch mit den jüngsten Arbeiten der digital ent- standenen Collagen setze ich meine Arbeit der frühen 80er Jahre fort.
     
36 Ansichten des Fernsehturms

Das Projekt „36 Ansichten des Fernsehturms“ wurde von Katsushika Hokusai (1760 -1849) inspiriert. Seine bekannten „36 Ansichten des Fuji – Berges“ veranlassten seitdem immer wieder Künstler sich mit diesen Farbholzschnitten auseinanderzusetzen.
Die Bedeutung der Vervielfältigungsmöglichkeiten des Farbholzschnittes als ein Medium bildlicher Reproduktion wurde, wie Walter Benjamin es nennt, von der Photographie „überflügelt“. Die digitale Fotografie und das Internet beschleunigen die Verbreitung von Bildern noch einmal in ganz neuen Dimensionen.
Nachdem ich in meiner bisherigen künstlerischen Produktion die beiden Medien Schwarzweiß-Photographie und monochrome Malerei zu offenen Bild-Installationen aus vielen Einzeltafeln montiert habe, möchte ich in diesem Projekt mittels digitaler Fotografie und Bildbearbeitung Kompositionen schaffen, die traditionelle Bildauffassungen mit modernster Technik vereinen.
Mittels digitaler Bildbearbeitung werden die thematischen Darstellungen aus vielen einzelnen Fotografien komponiert, konstruiert und montiert. Der Bildhintergrund besteht meistens aus mehreren separaten Bildern, die zusammengefügt werden. Die Vordergrundmotive und Details werden einzeln hinzugefügt und ins Bild eingearbeitet. Die Darstellungen werden stilistisch verfremdet und haben eine Mindestgröße von 32 x 47 cm. Die Möglichkeit, einzelne Bilder größer zu bearbeiten bleibt offen. Ich werde 46 Darstellungen erarbeiten.
Im Zentrum des Projekts steht nicht eine dokumentarische Fotografie mit ihrem Anspruch, ein authentisches Bild der Wirklichkeit zu geben, sondern Kompositionen zu schaffen, die einzig und allein dem Darstellungswillen des Künstlers unterliegen. Genredarstellungen werden eingebettet in fotografierte Stadtlandschaften, in scheinbar alltägliche Situationen des Großstadtlebens.

 

Es handelt sich um idealisierende Darstellungen, die die raue Wirklichkeit in poetische Schönheiten verwandeln. Das Darstellungsspektrum reicht dabei von skurrilen Scherzbildern bis zu erhabenen Landschaftsdarstellungen.
Aus meinem Atelierfenster in der Torstraße blicke ich über die Nachbardächer auf den Fernsehturm, den ich anfangs nur sporadisch fotografierte. Erst als mir der Zusammenhang zu Hokusais Farbholzschnitten bewusst wurde, entwickelte ich die kompositorischen Bildmontagen. Mit dieser Arbeit knüpfe ich an meine frühen Collagen an, die einen ähnlich starken erzählerischen Charakter haben.
Der Fernsehturm, der als zentrales Sinnbild modernen Großstadtlebens von vielen Punkten der Stadt wahrgenommen wird, ist das Verbindungsglied zwischen Genre- und Landschaftsdarstellungen. Ich zeige ihn aus verschiedenen Blickwinkeln, in den vier Jahreszeiten, zu verschiedenen Tageszeiten und unterschiedlichen Stimmungen mit und ohne Personen. Ein wichtiges Kriterium zur Bearbeitung der Darstellungen ist die Vielfalt und das pulsierende Leben der Großstadt Berlin zu zeigen.
Aktuelle Stadtlandschaften, Orte neuer Architektur wie der Lehrter Bahnhof werden bearbeitet. Historische Orte wie die alte Stadtmauer oder die älteste Brücke von Berlin finden Einklang in das Projekt. Berufsgruppen, die häufig im Stadtbild auftreten, werden integriert. Auch wie die Natur ihre letzten Refugien sichert, wird Berücksichtigung finden.
Die Arbeiten werden als Pigmentdrucke auf Baumwollpapier gedruckt und haben damit eine höhere Haltbarkeit als herkömmliche Farbfotografien.